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Wer bin ich eigentlich?

Ja, wer bin ich eigentlich? Diese Frage habe ich mir in der letzten Zeit sehr oft gestellt. Ich fasse einfach mein bisheriges Leben zusammen, dann bekommt man eine ungefähre Vorstellung:

Im Mai 2005 habe ich das Licht von Polen erblickt. Die ersten Wochen waren sehr schön. Zusammen mit meinen Brüdern und Schwestern und natürlich meiner Mama habe ich herum getollt und viel Blödsinn angestellt. Doch irgendwann war diese Zeit vorbei. Es kam ein Mann zu uns, begutachtete mich und verfrachtete mich in dieses Ding, das die Menschen 'Auto' nennen. Es flogen Bäume und Häuser an uns vorbei, boah war das spannend Ich saß die ganze Fahrt über am Fenster und beobachtete alles genaustens. Viel zu schnell waren wir an unserem Ziel angekommen. Wir fuhren durch ein großes Tor und überall um uns herum lagen kranke (?) Autos und Teile von Autos herum. Mein Mann nannte es 'złomu' was auf Deutsch so viel heißt wie 'Schrottplatz'.

Hier sollte ich das nächste Jahr leben. Ich bewachte den Platz aufmerksam und verteidigte ihn gegen unwillkommene Gäste. Zu willkommenen Gästen hingegen war ich freundlich, denn meistens streichelten sie mich oder sie spielten mit mir. Ich lernte ein hervorragendes Polnisch und schon bald konnte ich die üblichen Hundebefehle in- und auswendig Wenn es nichts zu lernen für mich gab und auch keine Gäste da waren, verbrachte ich die Zeit damit mich auf dem Platz umzusehen und nach Neuigkeiten zu suchen. Leider waren ölige Autowracks und sonstiger Schrott nicht gut für mein langes Fell. Schon nach kurzer Zeit war es nicht mehr hell und seidig, sondern verklebt und dreckig

Doch eines Tages wollte mich mein Mann nicht mehr bei sich haben. Und wie es der Zufall so will, lernte ich ein paar Tierschützer aus Deutschland kennen. Ich finde gar nicht, dass es mir in Polen so schlecht ging, aber ich habe immer davon gehört wie toll es in Deutschland ist und wie günstig man dort an eigentlich teure Autos kommt (heute weiß ich es besser...).

Auf jeden Fall wurde ich mit nach Deutschland genommen und wurde dort zwei unendlich lange Wochen mutterseelen allein gehalten. Quarantäne, so ein überflüssiger Unsinn. Ich war doch ein stattlicher Pon-Mix und kerngesund. Das mit der Gesundheit wollten die Menschen natürlich näher wissen. Sie brachten mich zu einem Tierarzt, der mich untersuchte, mich impfte, mir einen Chip einsetzte (das ist sowas wie ein Personalausweis für Hunde) und mein Fell kurz schnitt. Mir tat es ein wenig leid um meine Lockenpracht, doch es ist besser so.

Nach zwei Wochen war die langweilige Zeit alleine vorbei. Ich kam in eine nette Hundegruppe, in der ich mich schnell wohl fühlte. Auch die Menschen dort waren nett, doch ich verstand sie leider nicht. In Deutschland spricht man ja eine andere Sprache als zuhause in Polen Trotzdem lebte ich mich schnell ein und eines Tages entdeckte ich ein paar Männer, die mit ir auf Polnisch sprachen. Sie waren dort um unser Zuhause umzubauen und weil sie so nett waren, zeigte ich ihnen alle meine Kunststücke. Ganz besonders gefiel es ihnen, wenn ich auf Befehl meine Pfote hob. Leider wusste ich schon von Anfang an, dass dieses Zuhause nicht mein Zuhause für immer sein konnte. Dabei gefiel es mir dort gut mit all den anderen Hunden... eines Tages kamen ein Mann und eine Frau und sie begutachteten mich von allen Seiten. Ich fand sie nett, vor allem den Mann. Und als sie mich dann in ihr Auto packten war die Freude groß. Anscheinend waren das meine neuen Herrchen und Frauchen.

Wieder lag eine lange Autofahrt vor mir und es gab viel zu sehen. Dann waren wir endlich in meinem neuen Zuhause angekommen. Ich konnte es kaum erwarten aus dem Auto zu springen und alles genaustens zu untersuchen. Nachdem ich jeden Raum und jeden Winkel gesehen hatte, stand es fest: Hier fühle ich mich wohl; Hier bin ich zuhause

Meine neue Mama war toll, ich durfte mich schon am ersten Abend zu ihr aufs Sofa kuscheln und zusammen mit ihr fernsehen. Aber auch mein Papa war toll... er spielte mit mir und wir rauften so lange bis ich nicht mehr konnte. Dass wir noch kein richtiges Spielzeug hatten, störte mich dabei nicht. Grade als ich mich zum schlafen hingelegt hatte, stand plötzlich ein fremder Mensch in meinem Haus

Das war ein Eindringling und den musste ich verscheuchen! Ich bellte so laut ich konnte und als das nichts half, knurrte ich auch noch. Alle Menschen sprachen zu mir, doch ich konnte sie ja nicht richtig verstehen. Die Menschen schienen sich zu kennen, also wollte ich diesen neuen Mensch dort auch endlich kennenlernen. Es war eine junge Frau und sie war auch super nett. Erst kraulte sie mich, dann spielten wir noch etwas und hinterher ärgerte die blöde Kuh mich. Naja, eigentlich fand ich das gar nicht so schlecht, aber das muss sie ja nicht wissen...

Das war also mein bisheriges Leben. Nun bin ich in Deutschland in meiner neuen Familie angekommen und muss noch viel lernen. Ich muss Deutsch lernen, das steht an oberster Stelle, dann muss ich lernen welche Menschen zu meinem Rudel gehören und welche nicht und ich muss lernen alleine zu bleiben (meine Menschen behaupten das sei wichtig). Und das junge Mädchen sagte irgendwas von ausreiten gehen und von Pferden. Ich weiß nicht was das bedeuten soll, aber ich bin schon gespannt darauf!

 

Bis dahin werde ich hoffentlich noch etwas Zeit zum Schreiben finden,

euer Bartosch

 

 

Da hat mein schussliges Frauchen doch glatt vergessen das schöne Bild von mir einzustellen.

Das bin ich noch in Polen, da sieht man wie dreckig mein Fell ist, aber trotzdem bin ich ein netter Kerl, oder?

 

1.12.06 09:20
 


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